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Kommentar: Die Gratis-Kultur

Es gibt viele wichtige Einrichtungen zum Schutz von Verbrauchern. Aber wer schützt eigentlich die Dienstleister und Freiberufler vor der Gratis-Kultur von Unternehmen und Verbrauchern? Ein Kommentar unserer Redakteurin zu einem Artikel in brand eins.

Die Zeitschrift brand eins titelte bei der Ausgabe vom 06/2017 mit dem Schwerpunkt "Umsonst". Agenturchef Nicolai Goschin beschreibt unterhaltsam worüber man eigentlich lachen müsste, wäre es nicht ernst gemeint und somit wenig komisch.

 

Einmal alles. Bitte für nichts.

Mit dieser Überschrift leitet Nicolai Goschin die Erzählung einer wahren Begebenheit in ihrem Agenturalltag ein. Bei einem konkreten Fall wollte Unternehmen XY im Zuge eines Pitches* die Ideen der besten Werbeagentur kostengünstig abgreifen und sich diese nachher von der billigsten (oder in Eigenregie) nachbauen lassen. Die Agentur, die die Analyse gemacht, die geistige Leistung erbracht und das Konzept erstellt hat, geht leer aus. Warum?

Die Bereitschaft, für Kreativleistung zu zahlen, sinkt stetig. Texte, Bilder, Gestaltung, Konzepte werden zu Allgemeingut, denn schreiben, knipsen und Templates verwenden "kann schließlich jeder". Diese Entwicklung ist keineswegs nur bei Unternehmen gegenüber Agenturen und Freiberuflern zu finden. Auch als Privatperson und Verbraucher kann man sich fragen, ob man bereit ist, für Bildmaterial zu zahlen oder ob man es mit dem Copyright nicht immer so eng sieht. Wie steht es mit Musik und Computerspielen? Zahlt man gern (wenn auch nicht gern viel) für eine künstlerische oder Entwicklungs-Leistung?

Was ist die Leistung wert?

Zugegeben: Die Verfügbarkeit von Informationen und die technischen Möglichkeiten machen es sehr viel schwieriger, Wert und Eigentum einer Leistung einzuschätzen. So gibt es einige Youtuber, die mit kostengünstigen Bordmitteln sehr erfolgreich sind. Wo liegt dennoch der Unterschied zu kostenpflichtigen Medieninhalten? Wie hängen Wert und Preis einer Sache zusammen? Welche Chancen und Gefahren sehen Ihre Schüler in der Gratis-Kultur für ihr Berufsleben - und damit den künftigen Wert ihrer eigenen Leistung? Vielleicht mal eine ganz interessante Diskussion für den Unterricht oder die Schülerzeitung. 

*"Pitch" nach Duden, Definition 2b: http://www.duden.de/rechtschreibung/Pitch

 Zum ganzen

Artikel in brand eins: https://www.brandeins.de/archiv/2017/umsonst/nicolai-goschin-werbebranche-pitch-dich-selbst/

12.07.2017 - 12:23 von Don Draper

Wie viel ist Geist wert?

Schon mal "Mad Man" geschaut? Geistiges Eigentum der Werbebranche wurde in den 60ern mit Wahnsinnsetats bezahlt. Heute ist das in Teilen der Branche kaum anders. War/ist das eine sinnvolle Entlohnung? Oder maßlose Geldverschwendung für ein paar hohle Sprüche?

Und nun knausern also manche Firmen, "klauen" Ideen und setzen sie selbst um. Da würde mich schon interessieren, wo die Grenze zwischen "geklaut" und "selbst weiterentwickelt" liegt. Die ist sicher nicht leicht zu ziehen, kann aber entscheidend sein: wenn die beim Pitch vorgestellten Ideen alle nicht das Bedürfnis des Auftraggebers erfüllen, der aber eine Idee hat, wie man aus den Vorlagen was Brauchbares machen kann, wer hat dann die entscheidende Idee gehabt?

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