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Skandal gibt Regulierern Rückenwind

Der amerikanischen Bankenbranche sitzt das Debakel um milliardenschwere Fehlspekulationen bei der Großbank JP Morgan in den Knochen. Das Desaster fügt dem schlechten Image der Branche noch weiteren Schaden zu, meinen Insider.

Vor einigen Tagen ist herausgekommen, dass die Investmentsparte von JP Morgan einen Handelsverlust mit Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps) von mindestens zwei Milliarden Dollar (1,6 Millarden Euro) gemacht hat. Jetzt geht es um die fieberhafte Suche nach den Ursachen.

Auch Washington ist aufgeschreckt. Erneut ist die Debatte um eine schärfere Regulierung der Branche entbrannt. Vor allem die oppositionellen Republikaner haben sich bislang gegen die Obama-Administration gestellt, die die Kreditinstitute an die Kandare nehmen will. Angelpunkt ist die „Volcker- Regel“, benannt nach dem ehemaligen US-Notenbankchef Paul Volcker. Er will als Konsequenz aus der Finanzkrise 2008 den Eigenhandel der Banken stark einschränken.

Strittig ist allerdings die Abgrenzung zwischen Geschäften im eigenen Interesse und Transaktionen im Kundenauftrag. Ebenso streiten Experten, ob es sich im Fall JP Morgan um weiterhin geduldete Absicherungsgeschäfte für Kreditrisiken der Bank oder aber um reine Spekulations-Deals handelte.

Die „Volcker-Regel“ ist ein wichtiger Baustein des 2010 beschlossenen Dodd-Franck- Gesetzes. Der Teufel liegt jedoch im Detail. Um das Eigenhandelsverbot wird weiter im Kongress gefochten. Präsident Barack Obama drängt angesichts des JP-Morgan-Skandals auf eine strenge Regelung bis Mitte Juli. „Ich denke, dass dieses Versagen des Risikomanagements ein starker Fall für Finanzreformen ist“, erklärte Finanzminister Timothy Geithner.

Kläger sieht betrügerischen Plan

Ohnehin haben die Fehlspekulationen ein juristisches Nachspiel für JP Morgan. Die US-Investmentfirma Saratoga Capital Management hat eine Sammelklage gegen das Kreditinstitut eingereicht. Es geht um Irreführung der Anleger. Die Verluste seien „eine direkte Folge des betrügerischen Plans“, heißt es in der Klageschrift.

Auch die Börsenaufsicht SEC hat inzwischen eine Untersuchung eingeleitet. Als Folge des Skandals musste nun die Leiterin des Chief Investment Office, Ina Drew, gehen. JP-Morgan- Chef Jamie Dimon kam bislang mit einem blauen Auge davon, obgleich der Druck auf den „König der Wall Street“ weiterhin wächst.

Als Schlüsselfigur des Skandals gilt indes der JP-Morgan- Banker Bruno Iksil, der bislang im Chief Investment Office der US-Bank in London tätig war. Auf seine Geschäfte mit Kreditausfallversicherungen baute der Konzern. Es sind hochkomplexe Wetten, mit denen sich die Bank gegen mögliche Verluste in anderen Bereichen absicherte. Immerhin gelang es JPMorgan- Chef Dimon auch mit Hilfe Iksils, das Kreditinstitut relativ ungeschoren durch die Finanzkrise zu steuern.

Doch dann muss bereits vor einigen Wochen in Iksils Abteilung etwas schief gelaufen sein. In London tauchten erste Gerüchte auf, dass der JP-Morgan- Banker erhebliche Risiken angehäuft hatte. In der Branche raunte man, dass Iksil und seine Kollegen Wetten im Volumen von 100 Milliarden Dollar abgeschlossen hätten. Was dann genau zu den horrenden Verlusten geführt hat, ist noch nicht klar. Plötzlich war von einem „schwarzen Loch“ die Rede.

Auf dem ersten Blick hin ähnelt der Fall den spektakulären Verlusten, die einzelne Händler bei anderen Großbanken verursacht haben sollen. Der ehemalige Société-Générale- Banker Jérôme Kerviel war im Oktober 2010 zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte Milliardensummen verzockt.

Kweku Adoboli ist in London angeklagt. Ihm wird vorgeworfen, der Schweizer Bank UBS mit Fehlspekulationen einen Ver-lust von 1,5 Milliarden Euro beschert zu haben. Nur: Sowohl Kerviel als auch Adoboli zockten ohne Wissen ihrer Vorgesetzten. Iksil dagegen tat offenbar alles unter dem Radar seiner Chefs. Dimon lobte wiederholt seinen Super-Banker in London. 
                                                                                                                    Andreas Oldag

https://www.sparkassenzeitung.de/

Quelle: Die SparkassenZeitung

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